Risikomanagement ist die erste Stufe der Auseinandersetzung mit den Gefahren, die Unternehmen und unternehmerischem Handeln in unserer globalisierten Wirtschaft drohen. Um diese Aufgabenstellung genauer zu beschreiben, muss man zunächst den Begriff "Risiko" definieren. Da die uns bisher bekannten Definitionen nach unserer Auffassung nicht ausreichend genau (oder schlicht falsch) sind, haben wir eine eigene Definition entwickelt:

"Risiko ist die Kette möglicher Ereignisse, die zu negativen Zielabweichungen führen kann."

Da es sehr viele solcher Einzelereignisse geben kann, von denen wir die meisten nicht einmal kennen, deren Zahl dann auch noch vielfach potenziert wird durch die Tatsache, dass sie sich in einer beliebig langen Ursache-Wirkungs-Kette gegenseitig begründen und verstärken, muss für die Arbeit eines Risikomanagers der Blickwinkel eingegrenzt werden. Weil jedes unternehmerische Handeln Risiken birgt oder erzeugt, würde ansonsten jedes unternehmerische Handeln unter Beobachtung und Kontrolle des Risikomanagements stattfinden müssen, was offensichtlich weder effektiv noch effizient sein kann. Wir definieren Risikomanagement daher als:

"Risikomanagement ist der Umgang mit Risiken, die nicht vom Unternehmen unmittelbar beeinflusst werden können."

In Abgrenzung zum Risikomanagement beschäftigen sich andere Teildiszipline der Betriebswirtschaft wie Compliance, Governance, Qualitätsmanagement, Revision, Personalmanagement, Produktion, etc. mit den Risiken, die vom Unternehmen unmittelbar beeinflusst werden können und im Umfeld der jeweiligen Fachdisziplin entstehen. Das Management von Risiken ist dort inherenter Teil der Führungsaufgabe und Ausdruck eines umfassenden und professionellen Managements der jeweiligen Teildisziplin.

Vereinfacht gesagt, konzentriert sich der Risikomanager auf Risiken, deren Ursachen außerhalb des Unternehmens liegen, und die Führungskräfte der anderen betriebswirtschaftlichen Disziplinen im Unternehmen auf die Risiken, deren Ursachen in ihrem jeweiligen Aufgabenbereich liegen (es gibt Ausnahmen von dieser Daumenregel!). Als Spezialist sorgt der Risikomanager neben der Beschäftigung mit externen Risiken dafür, dass die anderen Führungskräfte für Risikomanagement sensibilisiert sind und die verschiedenen Handlungsparameter des Risikomanagements (Risikoidentifizierung, -bewertung, -steuerung und -kontrolle) kennen und in ihren spezifischen Aufgabenbereichen anwenden. Somit ist der Risikomanager zuständig für die professionelle Ausübung der Aufgabenstellung "Risikomanagement", ohne sie allerdings überall persönlich durchzuführen oder zu verantworten.